Lernen fühlt sich für viele Kinder anstrengend an, für Kinder mit AD(H)S, Autismus, Hochsensibilität, LRS, Dyskalkulie oder anderen besonderen Lernwegen oft sogar sehr. Dieser Artikel lädt zu einem anderen Blick auf Lernen und AD(H)S ein: weg vom schnellen Defiziturteil, hin zu der Frage, welche Bedingungen Kinder im Lernalltag wirklich brauchen.
Lernen und ADHS – ein Perspektivwechsel
„Irgendwie passt mein Kind nicht richtig rein.“ Zu unruhig. Zu laut. Zu verträumt. Zu impulsiv. Hast du solche Rückmeldungen über dein Kind schon einmal gehört?
Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse und nicht immer passen diese reibungslos zum schulischen Lernen. Nicht selten folgen darauf Diagnosen wie z. B. AD(H)S, das sogenannte Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität. Der Mangel, der Fehler, die Störung scheint damit klar verortet: Das Kind hat ein Defizit an Aufmerksamkeit. Doch ist das die ganze Wahrheit? Was passiert, wenn wir einen Schritt zur Seite treten und genauer hinschauen: In welchen Situationen zeigt sich das Verhalten? In welcher Umgebung? Und was verändert sich, wenn wir einen erweiterten Blickwinkel zulassen?
Lernen und ADHS im Schulalltag: Kein Mangel an Arbeitsblättern
Eines ist sicher: An Arbeitsblättern mangelt es in Schulen nicht. Hier sehen wir das Arbeitsblatt einmal stellvertretend für typische Lernbedingungen, denen Kinder täglich begegnen:
- langes Stillsitzen
- viele Kinder auf engem Raum
- reizintensive Umgebungen
- Fremdbestimmung über Stunden
- zuhören, funktionieren, sich anpassen
Diese Bedingungen sind für viele Kinder herausfordernd, vor allem auch für Kinder mit AD(H)S und anderen besonderen Lernwegen. Und gleichzeitig ist es wichtig, ehrlich zu bleiben: Diese Kinder bringen oft viel Energie, Bewegung, Intensität und Eigenwilligkeit mit. Sie fordern das System "Schule" heraus.
Ein Mangel an Aufmerksamkeit Abenteuern
Wer würde sagen, dass die Schule, so wie viele von uns sie kennen, reich an Abenteuern ist? Die Antwort dürfte zumindest durchwachsen sein. Abenteuer und die Institution "Schule" sind nicht gerade deckungsgleich, Ausnahmen mag es geben. Wie wäre es von daher mit einer Umdeutung: Was wäre, wenn wir AD(H)S nicht als Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, sondern als Abenteuer-Defizit-Syndrom, wie Ricardo Leppe es beschreibt, interpretieren? Das hört sich doch ganz anders an, oder? Dann ist nicht dein Kind „zu viel“, sondern der Lernalltag oft zu arm an echten Erfahrungen, Erlebnissen: Abenteuern eben.
Wenn wir AD(H)S unter diesem Blickwinkel einmal anders lesen, öffnen sich neue Bedeutungen. Wie wäre es mit:


Darf es ein bisschen mehr Abenteuer sein?
Abenteuer klingt groß. Gemeint ist hier jedoch etwas sehr Alltägliches:
- Bewegung, die nicht reglementiert ist
- Sinneseindrücke, die echt sind
- Neugier, die nicht sofort gebremst und bewertet wird
- Erleben, Fühlen, Erfahren statt Abarbeiten, Üben, Anpassen
Kinder – und damit auch Kinder mit AD(H)S, Autismus, hoher Sensibilität oder anderen besonderen Lernwegen – lernen nicht zuerst über Arbeitsblätter. Ihr Nervensystem braucht Beteiligung. Körper. Bedeutung. Beziehung.
Wenn wir AD(H)S vor diesem Hintergrund betrachten, werden Unruhe, Rückzug, Widerstand oder Verweigerung nicht zu Defiziten, sondern zu Hinweisen: darauf, dass der Zugang nicht passt. Dass das Umfeld zu eng ist für das, was dieses Kind eigentlich bräuchte. Scheinbar abseits, zumindest außerhalb der ausgetretenen Lern-Pfade entsteht oft dann aber das, was wir uns so sehr wünschen: Selbstwirksamkeit. Motivation. Fokus.
Was Kinder wirklich stärkt – unser wirksamer Dreiklang
Statt „mehr Anpassung“ brauchen Kinder etwas anderes. In unserer Arbeit hat sich ein einfacher Dreiklang bewährt, drei Säulen, die sich gegenseitig tragen:
1. Ich-Stärkung: Stärken und Ressourcen sehen
Kinder profitieren davon, sich selbst nicht über das zu definieren, was schwerfällt. Oft liegen gerade in dem, was als Defizit wahrgenommen wird, wertvolle Ressourcen: Kreativität, Energie, Intensität oder ein besonderer Blick auf die Welt.
Ich-Stärkung bedeutet, dass dein Kind lernt zu erkennen: Was kann ich gut? Was macht mich aus? Diese innere Klarheit ist eine wichtige Grundlage für Motivation und Selbstvertrauen; denn: Was, wenn die vermeintlichen Defizite deines Kindes in Wirklichkeit Stärken oder sogar "Superkräfte" sind? Mehr dazu findest du im nächsten Blogartikel.
2. Struktur und Fokus: Halt geben ohne einzuengen
Klare und verlässliche Strukturen in Lernplanung und -organisation können enorm entlasten. Sie helfen, den Fokus zu halten, Orientierung zu finden und Überforderung zu reduzieren.
Wichtig ist dabei, dass Strukturen individuell passen: kleinschrittig, übersichtlich und flexibel genug sind, um Lebendigkeit nicht zu ersticken. Abenteuer und Struktur schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Wenn du dir an dieser Stelle individuelle Unterstützung wünschst, lohnt sich ein Blick auf unser Lerncoaching-Paket „Fokus & Struktur“, in dem es genau darum geht, alltagstaugliche Lernstrukturen zu entwickeln, die zu deinem Kind passen.
3. Stressregulation: Werkzeuge für innere Ruhe
Zusätzlich brauchen Kinder Strategien, um mit innerer Unruhe, Druck und Überforderung umzugehen. Nicht erst dann, wenn alles eskaliert, sondern präventiv, alltagstauglich und stärkend. Wenn Kinder lernen, ihre Stressreaktionen früh wahrzunehmen und zu regulieren, entsteht mehr Sicherheit im Lernen und im Alltag.
Eine besonders wirksame Methode zur Stressregulation ist der sogenannte innere Regler. Er hilft Kindern, ihre innere Anspannung früh wahrzunehmen und Schritt für Schritt wieder in einen handlungsfähigen Zustand zu kommen. Wenn du diesen Ansatz näher kennenlernen möchtest, findest du dazu unseren kompakten Mini-Onlinekurs "Stress runter - jetzt!", der alltagstauglich zeigt, wie Stressregulation im Familien- und Lernalltag gelingen kann.
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